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"Mein Kampf" von
George Tabori |
1991/92
am Schauspielhaus Leipzig
unter der Regie von G. Hounder/Mitnizke
è Carina Wiese in der Rolle von "Gretchen"
Zum
Inhalt:
Die Szene ist ein Männerasyl im Wien der 20er
Jahre. Schlomo Herzl, Jude, verkauft nachts Bibeln, empfängt in regelmäßigen
Abständen, tagsüber, wenn die anderen in den Straßen unterwegs sind, seine
Geliebte Gretchen . Er hat in Lobkowitz, einem arbeitslosen Koscher-Koch, den
sein früherer Arbeitgeber gefeuert hat, einen treuen Gesprächs- und
Spielpartner. Seit 4 Jahren spielen sie das Spiel, Lobkowitz sei der Herr der
seine Juden so sehr liebt, dass er sie nicht aus den Augen lässt. Einer von
ihnen ist Schlomo. Dieser schreibt ein Buch, über dessen Anfang, den es
eigentlich auch noch nicht gibt, er nicht hinausgekommen ist. Beide suchen nach
einem Titel. Lobkowitz schlägt vor „Mein Kampf“. Da betritt ein neuer Bewohner
den Raum, sagt „Jetzt haben Sie’s!“ und stellt sich vor: „Hitler“, worauf Herzl
sagt: „Komisch, sie sehen gar nicht jüdisch aus“. Es entspinnt sich ein
hochintelligentes, mitunter blasphemisches, grotesk-komisches Spiel um den
Juden, der Hitler unter seine Fittiche nimmt, ihn bemuttert – ihn, der gerade
mit seinen „zwielichtigen“ Bilder unterm Arm aus Braunau in Wien angekommen
ist, um in der Welt etwas zu werden. Doch die Akademie nimmt ihn nicht auf.
Hitler imaginiert sich und den anderen ein Beispiel der zu erwartenden Furchtbarkeiten,
in dem sein Adjutant Himmlischst das Huhn Mizzi zerlegt, und der Tod, der in
Gestalt einer Frau auftritt, versichert sich der zukünftigen Dienste Hitlers.
Herzl hat nicht mehr viel Zeit ...
Natürlich beschreibt „Mein Kampf“ nicht den historischen Hitler, und
zuweilen hat es den Anschein, dass Hitler eine Projektion von Schlomo ist. Dazu
Tabori: „Wie in einem Traum, wo jedes Element Bruchstück von eigenen träumenden
Ich ist. Schlomo und Hitler sind Teile von einem Traum, eine Art directed
dream.“
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